Gnadenhof Anna
 

Nachdenkliches

Hier einige Texte zum Nachdenken und Einfühlen.

Der Betrug

Man hat mich gesehen und kaufte mich prompt, denn ich bin ein Hund, der vom Züchter kommt.
Und wird es nicht allenthalben empfohlen, man soll gute Hunde beim Züchter holen?
Und alle Erwartungen trafen ein:
Ich bin hübsch, lieb und kann auch folgsam sein.

Mich hat man am Strand draußen aufgelesen, da bin ich seit Monaten schon gewesen.
Man hat mich getreten, es gab nichts zu
fressen,
dann stieß man mich weg und hat mich
vergessen.
Bin alt nun und krank, mein Herz tut mir weh.
Hab nur gelernt, dass ich gar nichts
versteh.

Ich wurde in einer Tonne geboren,
meine Finder gaben mich schon verloren.
Mein rechtes Ohr hängt, das linke blieb
stehen
und auf einem Auge kann ich nicht sehen.
Ich liebe die Menschen und weiß nicht warum.
Sie finden mich hässlich, mickrig und dumm.

Ihr seht, ich bin hübsch und mein Fell ist glatt.
Man pflegte mich gut in der großen Stadt.
Sie haben mich sogar angezogen,
operiert und die Ohren hochgebogen.
Dann wurde ich an einen Baum gebunden,
dort hat mich nach Tagen jemand gefunden.

Und Du? Wer bist Du? Hast noch nicht
gesprochen.
Hast bis jetzt mit der Nase am Gitter
gerochen.
Wenn sie kommen um einen auszusuchen,
verschmähst du all ihre Hundekuchen.
Siehst niemanden an und willst dich nicht binden.
Möchtest du keine neue Familie finden?
Eine Pause tritt ein. Niemand sagt ein Wort.
Der Blick des Gefangenen driftet weit fort.
Sein Kopf ist erhoben, die Schultern
gestrafft,
der Körper ist mager und doch voller Kraft.

Dann dreht er sich um, sein Schwanz fächelt leicht den Wind, der von Norden herüberstreicht.
Der Blick seiner blauen Husky-Augen
scheint sich am Fragenden festzusaugen.

"Versteht ihr nicht", flüstert er in den Wind, dass wir nur eine Laune der Menschen sind?
Sie wollen uns schaffen nach ihrem Gefallen und wissen doch nicht wohin mit uns allen.
In dieser Sekunde sind wir schon verloren, denn es werden tausend Welpen geboren.

Wir sind zu viele, das ist der Betrug,
denn Menschen bekommen niemals genug.
Sie wissen es alle, doch die endlose Flut immer neuer Hunde gefällt ihnen gut.
Die endlosen Züge der Überschussfracht
sind in Tierheimen ja wunderbar
untergebracht."

Sanft hebt er die Schnauze, setzt an zum Gesang.
Ein klagender Ton zieht die Gitter entlang.
Eine Türe schlägt zu und dann schweigt er still, weil das, was er weiß, niemand wissen will.
Er legt sich nieder, bettet ruhig sein
Haupt.
Oh ja, es sind viele! Viel mehr, als man glaubt....


Der Brief an Herrchen, der ein Lump war

Am Morgen bist du sehr früh aufgestanden und hast die Koffer gepackt.
Du nahmst meine Leine, was war ich glücklich. Noch ein kleiner Sparziergang vor dem Urlaub - hurra ! Wir fuhren mit dem Wagen, und du hast am Straßenrand angehalten, die Tür ging auf, und du hast einen Stock geworfen. Ich lief und lief, bis ich den Stock gefunden und zwischen meinen Zähnen hatte. als ich zurückkam , warst du nicht mehr da! In Panik bin ich in alle Richtungen gelaufen, um dich zu finden, aber vergebens. Ich wurde immer schwächer, von Tag zu Tag. Ein fremder Mann kam, legte mir ein Halsband um und nahm mich mit. Bald befand ich mich in einem Käfig und wartet auf deine Rückkehr. Aber du bist nicht gekommen.
Dann wurde der Käfig geöffnet. Nein, du warst es nicht - es war der Mann, der mich gefunden hatte. Er brachte mich in einen Raum - es roch nach Tod. Meine Stunde war gekommen.

Geliebtes Herrchen,
ich will das du weißt, das ich trotz des Leidens, das du mir angetan hast, noch stets an dein Bild erinnere. Und falls ich noch einmal auf die Erde zurückkommen könnte würde ich auf dich zulaufen,

denn - Ich liebe dich !!!

Autor unbekannt

Der letzte Gang

Bin ich dereinst gebrechlich und schwach und quälende Pein hält mich wach was du dann tun musst -
tu es allein.
Die letzte Schlacht wird verloren sein.

Dass du sehr traurig, verstehe ich wohl.
Deine Hand vor Kummer nicht zögern soll.
An diesem Tag - mehr als jemals geschehen.
- muss deine Freundschaft das Schwerste bestehen.

Wir lebten in Jahren voll Glück.
Furcht vor dem Muss ?
Es gibt kein Zurück!
Du möchtest doch nicht, dass ich leide dabei, darum gib?, wenn die Zeit kommt, bitte mich frei.

Begleite mich dahin, wohin ich gehen muss.
Nur- bitte bleibe bis zum Schluss
Und halte mich fest und red? mir gut zu.
Bis meine Augen kommen zur Ruh.

Mit der Zeit ich bin sicher-- wirst Du es wissen, es war deine Liebe, die Du mir erwiesen.
Vertrauendes Wedeln ein letztes Mal
Du hast mich befreit von Schmerzen und Qual.

Und gräme dich nicht, wenn du es einst bist- Der Herr dieser schweren Entscheidung ist.
Wir waren beide so innig vereint,
es soll nicht sein, dass Dein Herz um mich weint.

(Verfasser leider nicht bekannt)



Der alte Kettenhund

Ich bin allein, es ist schon Nacht und stille wird?s im Haus.
Dort ist ein Feuer angefacht, dort ruht mein Herr sich aus.

Er liegt im warmen Federbett, deckt bis ans Ohr sich zu, und ich auf meinem harten Bett bewache seine Ruh?.

Die Nacht ist kalt, ich schlafe nicht,
der Wind aus Ost weht kalt,
die Kälte ins Gebein mir kriecht,
ich bin ja auch schon alt.

Die Nacht ist kalt, der Hunger quält,
mein Winseln niemand hört,
und wüßt?mein Herr auch, was mir fehlt,
er wird nicht gern gestört.

Die Nacht ist lang,
zum zehnten Mal leck?ich die Schüssel aus, den Knochen, den ich jüngst versteckt, den grub ich längst schon aus.

Die Kette, die schon oft geflickt,
sie reibt den Hals mir bloß.
Sie reicht nur noch ein kurzes Stück
und nie werd ich sie los.

Was Freiheit ist, das lern ich nie,
doch weiß ich, ich bin treu.

So lieg ich, warte auf den Tod, denn dieser macht mich frei...

Ich klage an,

... weil ich ein Kind aus einem Ups-Wurf bin -- meine Besitzer hatten kein großes Interesse an meiner Mutter -- und so wurde sie von ihrem Bruder gedeckt -- ich bin auf die Welt gekommen -- und irgendetwas stimmte nicht mit mir -- ich hatte Schmerzen -- und mein ganzer Rücken war offen -- die paar Stunden die ich lebte waren furchtbar -- der Tod eine Erlösung ...

... weil ich seit dem ich ein paar Monate alt bin im Tierheim, in einem kleinen Gehege sitze -- keiner mag mich -- weil ich einfach eine ganz normale schwarze Katze bin -- und ich bin schüchtern -- ich verstecke mich immer wenn Menschen kommen -- ich habe solche Angst vor ihnen -- ich hatte mal ein Zuhause -- aber irgendwann haben sie mich raus gelassen -- und nie wieder die Tür aufgemacht um mich wieder rein zu lassen -- egal wie laut ich vor der Tür gejammert habe -- das hat mich so traurig und so wütend gemacht -- das ich beschlossen habe, nie wieder einem Menschen zu vertrauen
-- aber hier in diesem Gehege bin ich sehr unglücklich ...

... weil ich plötzlich nicht mehr geliebt werde
-- weil ich alt bin -- und weil ich nicht mehr so lustig anzusehen bin wie ein kleines, junges und verspieltes Kätzchen -- ich möchte meine Ruhe -- und Streicheleinheiten -- und ganz gesund bin ich auch nicht mehr -- ich brauche Tabletten, die ich nicht gerne nehme
-- und weil das alles zu mühevoll war -- und zu teuer, bin ich einfach im Tierheim abgegeben worden ...

... weil ich in bitter kalter Nacht mit meinen Geschwistern in einer Kiste, die fest verschlossen war, an einer Autobahnraststätte ausgesetzt worden bin -- es war so furchtbar kalt -- und wir waren hungrig - wir haben uns aneinander gekuschelt -- damit wir nicht so arg frieren -- nachher war es gar nicht mehr so schlimm -- wir sind einfach eingeschlafen -- und nie wieder aufgewacht ...

... weil ich mit knapp einem Jahr vom Auto überfahren wurde -- ich war nicht kastriert -- und meine Runden wurden immer größer -- weil meine Hormone mich trieben, eine Katzendame zu finden -- und als ich endlich den süßen Duft einer "bereiten" Dame in die Nase bekam achtete ich nicht mehr auf das, was ich schon gelernt hatte -- ich war wie von Sinnen als ich ihrem Duft folgte und achtete nicht mehr auf die Autos ...

... weil ich mit 9 Monaten schon Mutter wurde -- meine Kinder waren sehr groß -- und es waren so viele -- bei der Geburt hatte ich unendliche Schmerzen -- und als eines feststeckte starb ich unter Qualen -- und meine schon geborenen Kinder auch -- weil ich mich nicht mehr um sie kümmern konnte ...

... wir klagen an -- weil wir leiden müssen, weil der Mensch sich keine Gedanken macht -- weil wir durch die Gedankenlosigkeit des Menschen uns die Pfoten verbrennen an herumstehenden Kerzen oder unbeaufsichtigten Herdplatten -- weil wir von Balkonen und aus Fenstern fallen die nicht gesichert worden sind -- weil wir den Tod finden in gekippten Fenstern -- und weil wir seelisch zugrunde gehen - an Ignoranz und Gleichgültigkeit.

... wir klagen an - weil der Mensch ein Monster sein kann -- der uns quält -- der uns schlägt und uns unsagbares Leid antut -- nur aus Spaß
-- aus Langeweile -- aus unendlicher Dummheit ...

... wir sagen Danke -- an alle, die uns das Vertrauen an den Menschen wieder geben -- die Wochen, Monate oder sogar Jahre lang um unsere Gunst buhlen -- die vor Glück weinen, wenn sie uns das erste Mal über?s Köpfchen streicheln dürfen -- die alle Liebe, Fürsorge, Zeit und Geld dafür aufwenden, damit es uns gut geht -- die uns von der Straße holen -- die uns pflegen und uns Wärme und Futter geben -- die die Schwächsten von uns aufpäppeln und retten -- die ihren Schlaf opfern um alle drei Stunden kleine, ein paar Tage alte Würmchen zu füttern -- die schlaflose Nächte haben wenn es uns nicht gut geht und die nimmer müde werden jedem zu sagen wie wichtig es ist , uns kastrieren zu lassen ...

Bitte werdet niemals müde -- wir danken es Euch mit unserer Liebe -- und wir hoffen das es eines Tages soweit ist, dass die dummen Menschen klug werden ...

Verfasser: H. Schepers


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